40geworden_sein

Jetzt sind wir schon den 6. Tag 40 Jahre alt. Morgen vor einer Woche war unser Geburtstag. Und was für einer! Mehr Geburtstag geht schon fast nicht. Wie intensiv es für uns war, das zeigt sich jetzt unter anderem daran, dass es sich zeitlich so anfühlt, als wäre das Fest erst vorgestern gewesen, dass wir uns körperlich so platt fühlen, als wäre es gestern gewesen, und dass der reale Zeitraum dazwischen ein ziemlicher blau-grauer Blur ist. Das heißt, die Intensität hat uns ein bisschen aus der Realität³ katapultiert, und wir benötigen dringend wieder etwas Ein-Nordung.

Ein Stück weit ist es auch einfach das Runterkommen nach einem wunderschönen Höhenflug.

Und wir müssen aufpassen, dass wir all die wunderbaren Momente dieses Tages jetzt nicht verDISsen, dass wir uns jetzt endlich Zeit und Raum für uns nehmen, um all das, was wir erlebt haben, nochmal Revue passieren zu lassen, und für alle von uns innen in einen Rahmen zu setzen, sonst besteht die Gefahr, dass die Erschöpfung danach und die (gewollte/gesuchte) Überforderung am Tag selbst eine innere Um-Interpretation des Ganzen in Gang setzen bei allen Teilen des Systems, die den Tag nur aus dem Hintergrund oder sogar von noch weiter weg oder sogar gar nicht mitbekommen haben.

Heute endlich haben wir Zeit und Ruhe, um darüber zu schreiben, und um nochmal alle Geschenke zusammen zu tragen und wahrzunehmen, zu befühlen, zu bewundern, beziehungsweise von innen bewundern zu lassen.

Wir haben in diesem Jahr mit unserem Geburtstag ein Experiment ausprobiert. Wir leben ziemlich gemeinschaftlich, und wir wollten gern mit möglichst vielen Menschen, mit denen wir unser Leben teilen, auch unseren Geburtstag teilen. Nun haben wir ja immer an Silvester Geburtstag, und an diesem Tag sind die meisten Menschen, nun ja, mit Silvester eben beschäftigt und mit dem, was man dann so macht. Ja, wir wollten mit vielen Menschen feiern, und gleichzeitig haben wir unserer Stabilität in dieser ganzen Feiertags- und Geburtstagszeit nicht ausreichend vertraut, um uns selbst die Organisation und Durchführung eines fetten Festes zuzutrauen. Also haben wir einfach eine Email in die Runde der Menschen geschrieben mit der offenen Frage, ob es Menschen gibt, die Lust und Inspiration haben, irgendetwas für unseren Geburtstag zu organisieren. Wir waren auf alles eingestellt und bereit, alles anzunehmen – auch, dass es diese Bereitschaft oder Inspiration oder Zeit nicht gibt. Und dann gab es sie doch, und ein paar Menschen kamen zusammen, spannen ein paar Ideen, ein paar andere sprangen helfend dazu – und *zauberzauber* wurde daraus ein rauschendes Fest, das sich für uns, aber auch, so weit wir das mitbekommen haben, für die anderen anwesenden Menschen leicht anfühlte.

Am Abend vorher waren wir systemübergreifend ziemlich aufgeregt. Eigentlich war der Plan, früh schlafen zu gehen, aber dann lagen wir um Mitternacht knallwach im Bett herum, und plötzlich tauchten von überall her im Innen Personen auf und kamen zusammen und staunten kollektiv ein bisschen über 40 Jahre werden, und am Leben sein, und 2020 am Horizont, voll krass Zukunft. Das war unerwartet schön, dieser Innenkontakt, der so gar nicht selbstverständlich ist.

Das Wunder des Tages begann dann schon am frühen Morgen, mit dem fröhlichen Krähen der Zwillinge beim Aufwachen (um 6:20…*seufz*) und diversen Versionen von Happy Birthday-Ständchen mit Aprikosen in Hosen und so weiter (den ausufernden Fäkalhumor von 4jährigen erspare ich an dieser Stelle den geneigten Leser*innen 😊). Es gab ein ausgiebiges Familien-Geburtstagsfrühstück mit Bescherung und auspack-begeisterten Kindern im Innen und Außen, immer wieder freund(*innen)liche Nasen, die in unsere Küche gesteckt wurden samt Glückwünschen, und vor lauter Geplausche wurde fast der letzte Schliff an der Geburtstagstorte nicht fertig. Am Nachmittag gab’s dann noch eine tolle geschenkte Torte mit pinker Himbeersahne dazu, und ein großes Torten-Geschlemme mit (Wahl-)Familie und ein paar Freund*innen. Und ein bisschen Sekt. Den hätte es jedoch eigentlich gar nicht gebraucht, weil wir da schon ganz trunken waren von all der Wärme und Liebe, die uns bis dahin entgegengebracht wurden, und uns auch so schon der Kopf schwirrte vor lauter MitMenschenSein.

Am späten Nachmittag wurden wir eingesammelt von „unserem“ Frauen*kreis, und die anderen mussten ohne uns weiter tafeln. Wir hingegen bekamen eine zwölfhändige Öl-Massage, die wir tatsächlich nach ein paar inneren Schwellen, die wir dafür überhüpfen mussten, richtig genießen konnten, und die dann super war, um uns wieder in unserem Körper und in der Realität³ zu verankern.

Es sollte nicht das letzte Abenteuer des Tages gewesen sein. Zur Eröffnung des Riesen-Gemeinschafts-Silvester-Büfetts fragten uns einige Wahnsinnige, ob wir der Tradition folgend vielleicht 40 mal hochgeworfen werden wollen würden? Und guess what, die Jugendfraktion hier wollte. 40 mal fliegen, danach fühlten wir uns so adrenalinhigh und achterbahnglücklich, als wären wir mal kurz auf dem Rummel gewesen.

Dann gab es noch eine offene Bühne, so charmant unperfekt, improvisiert und wunderschön, wie wir das lieben. Und unser liebster Mann legte eine Überraschungs-Liebeslied-Karaoke-Einlage hin, die kein Auge trocken ließ. Vor Rührung, und vor Lachen.

Das vielleicht schönste und magischste Geschenk des Tages war dann ein Geigenstück, das eine Freundin von uns so umkomponiert hatte, dass wir eine leichte Stimme direkt vom Blatt spielen konnten, während sie die erste Stimme, und dazu noch Musik vom Band spielte. Wir lernen erst seit drei Monaten Geige, aber lieben es total (und konnten schon Noten lesen und so weiter), und es war sooo wunderschön, wie es sich anhörte, und mit ihr zusammen zu spielen. Wir waren davon selbst total überrascht, und auch davon, dass wir uns einfach getraut haben, mit ihrer Unterstützung vor so vielen Menschen zu spielen.

Der Rest der Nacht war dann tanzen, tanzen, tanzen und ein großes Silvesterfeuer. Lange, lange draußen am Feuer sein, in die Flammen schauen, und irgendwann weitertanzen.

Einige Menschen haben zusammen geschmissen und uns zum Geburtstag eine schwere Therapiedecke geschenkt, und nachts um vier sind wir dann zum ersten Mal da drunter gekrabbelt. Darüber werden wir ganz bestimmt irgendwann auch schreiben.

Ein weiteres Geschenk war eine Box, in die die anwesenden Menschen Zettel mit Wertschätzungen für uns gesteckt haben. Diese Zettel haben wir uns dann beim Aufwachen am nächsten Tag angeschaut. Der, der uns am meisten gefreut hat, lautete: Dass ich dir das gar nicht sagen muss.

Und ja, das stimmt. Wir sind 40 Jahre alt, und wir wissen ganz gut selbst, was wir können. Und was wir nicht können. Und was wir lernen wollen, und was aber auch nicht. Dass wir mutig sind. Dass wir immer wieder mutig springen (ins Vertrauen, auf die Arme von zehn Leuten, die uns fliegen lassen, auf einen Massagetisch und in die Hände von 6 Frauen, die wir gut kennen, auf eine offene Bühne mit einem Instrument, dass wir lieben, aber nicht sicher eigentlich noch gar nicht spielen können, in einen potentiell schwierigen Datums-Tag, den wir in die Hände von Menschen, die wir mögen, gelegt haben). Wir sind ein bisschen crazy. Und wir können uns über Wertschätzung heute oft freuen, aber wir brauchen sie auch nicht. Und ich glaube, das Allerwertvollste ist, dass wir über das Abgeben von Kontrolle über unseren Geburtstag paradoxerweise eine große Erfahrung darin machen konnten, dass wir unser Leben heute selbst bestimmen. Weil wir entscheiden (können), wem wir vertrauen.

6 Kommentare

  1. Es freut uns das zu lesen 🙂
    Und wir sind schon sehr gespannt auf den Beitrag über die Therapiedecke. Wir selbst besitzen auch eine und sind soooooo dankbar darüber, weil sie uns so oft so sehr hilft uns selbst besser spüren zu können 😉

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